Martin Kloke:
Zwischen Scham und Wahn
Israel und die deutsche Linke 1945-2000

1945-1967
Zwischen Israel-"Vergessenheit", und Philosemitismus

Über das deutsch-jüdische Verhaeltnis kursieren bis heute allerlei widersprüchliche Meinungen, denen meist ein Gran Wahrheit nicht abgesprochen werden kann: "Seit dem 9. Mal 1945 haben die Deutschen begonnen, tote Juden zu lieben", heißt es etwas flapsig bei Rafael Seligmann. Einer seriöser anmutenden These zufolge stellte das zionistische Projekt in Palästina jahrelang ein politisch-psychologisches Faszinosum dar - insbesondere für die deutsche Nachkriegslinke. Bei näherem Hinsehen wird indessen erkennbar, dass "jüdische" Themen lange Zeit mit einem Tabu belegt waren: Die Nachkriegsdeutschen vermieden nicht nur die kritische Auseinandersetzung mit ihrer NS-Vergangenheit; sie ignorierten auch das zionistische Aufbauwerk und die jüdisch-arabischen Auseinandersetzungen.

Der Antisemitismus als ein traditionelles Strukturmerkmal der deutschen Gesellschaft war mit dem Nationalsozialismus keineswegs untergegangen - nicht einmal in antifaschistischen Kreisen: Thomas Mann hatte wenige Monate nach Kriegsende nichts Besseres zu tun, als über rassetheoretische Empfindungen zu räsonieren; [2] Marion Gräfin Dönhoff, schon in der Nachkriegszeit gefragte "Zelt"-Kolumnistin, schrieb eine Gleichsetzung der israelischen Regierung mit dem NS-Regime herbei; [3] Karl Thieme behauptete gar eine jüdische Mitschuld an der "Verewigung des Antisemitismus" sicherheitshalber bot er für seine These einen jüdischen Kronzeugen auf, [4] - eine Praxis, die Philosemiten und Antisemiten noch heute eigen ist. Nach den Befunden der empirischen Meinungsforschung lag die Zahl bekennender Antisemiten im August 1949 wieder bei 23 Prozent - mit steigender Tendenz (Dezember 1952: 34 Prozent). [5]

Im Dezember 1945 glaubte ein Autor des Berliner "Tagesspiegel", ein Rezept dafür entdeckt zu haben, wie "das jüdische Problem in seiner Gesamtheit zu lösen" sei: durch "Auswanderung der heimatlosen Juden und [...] vollständige Assimilation der Juden, die in Europa zu verbleiben wünschen". [6] Von dieser liberalen Variante der "Endlösung" abgesehen, nahm die deutsche Oeffentlichkeit von der Gründung Israels im Mal 1948 wenig Notiz. Allenfalls wurde mit Genugtuung vermerkt, dass die unerwünschten Displaced Persons allmählich Deutschland verließen. Meldungen über die britische Palästina-Politik und den arabisch- israelischen Konflikt beschränkten sich auf das rein Faktische. Distanzierte Nüchternheit prägte auch die Berichterstattung in den "Wochenschauen". Das Drama im fernen Palästina schien mit der Vertreibung und Ermordung der Juden durch die Deutschen nichts zu tun zu haben.

In der Frage kollektiver Reparationen reagierten Politik und Gesellschaft zunächst ausweichend. Auch der SPDVorsitzende Kurt Schumacher leistete sich auf dem Nürnberger SPD-Parteitag von 1947 eine konfuse Wortakrobatik: Einerseits behauptete er ein Übersoll bereits geleisteter Reparationen; andererseits mahnte er die kollektive Verpflichtung zur "Wiedergutmachung" für die jüdischen Opfer an. [7] Ein Jahr später rang Schumacher sich dazu durch, die "Uninteressiertheit" der Oeffentlichkeit an Entschädigung und "Wiedergutmachung" zu beklagen. [8]

1949 starteten linkskatholische Intellektuelle eine an Bundestag und Bundesregierung gerichtete Kampagne, "die so lange schon hingeschleppte Wiedergutmachung" endlich einzuleiten, um bestmögliche Beziehungen zum jüdischen Volk zu entwickeln, "besonders aber mit seinem Staat in Palästina". [9] Mit Eugen Kogon versuchte ausgerechnet ein ehemaliger Buchenwald-Häftling -nicht etwa ein reuiger Ex-Nazi -, die Nachkriegsgesellschaft aufzurütteln. Doch sein Vorstoß blieb erfolglos, war der Katholik doch gar nicht legitimiert, für den Mainstream der deutschen Gesellschaft zu sprechen.

Eine Wende gab es erst, als im September 1951 zwei Hamburger Journalisten ihre Pressekampagne "Friedensbitte an Israel" begannen. [10] Bundeskanzler Konrad Adenauer geriet unter Druck. Auch die deutlicher werdenden Forderungen aus dem Ausland ließen ihn die Flucht nach vorn antreten. Im September 1951 bekannte er sich vor dem Bundestag zum Prinzip der materiellen Entschädigung. [11] Nach langen Verhandlungen erklärte die Bundesrepublik sich schließlich bereit, eine Gesamtsumme -von knapp 3,5 Milliarden DM zur Verfügung zu stellen - als kollektive Reparationsleistung größtenteils an den Staat Israel.

Die KPD, die in der ersten Legislaturperiode noch im Bundestag vertreten war, lehnte das Entschädigungsgesetz prinzipiell ab. In Anlehnung an den anti-Israelischen Kurswechsel der UdSSR argwöhnte ihr Abgeordneter Müller, die USA wollten mit Hilfe der westdeutschen Warenlieferungen "den in ihren Händen befindlichen Staat Israel zur rüstungsmäßigen und operativen Basis für ihre aggressive Politik ausbauen". [12] Einige CDU-Abgeordnete sowie viele Vertreter von CSU und FDP machten ihre Ablehnung verhaltener deutlich - durch Stimmenthaltung. Ohne die geschlossene parlamentarische Unterstützung durch die sozialdemokratische Oppositionsfraktion wäre das von der Regierung ausgehandelte Abkommen gescheitert. [13]

Mit dem Wiedergutmachungsabkommen schien der Bann des Schweigens gebrochen zu sein: Eine pro-israelische Grundeinstellung wurde geradezu zum Prüfstein wahrhaft demokratischer Gesinnung. Kam jetzt zum Durchbruch, was der US-amerikanische Hochkommissar John McCloy als die "Feuerprobe der deutschen Demokratie" bezeichnet hatte: die Frage, ob es den Deutschen gelänge, zur Judenheit eine "gesunde Beziehung" aufzubauen? [14] Das Wiedergutmachungsabkommen schuf Möglichkeiten einer Katharsis, verhieß Teilhabe an kollektiver Sühne. Einige Träger der öffentlichen Meinung holten zum philosemitischen Befreiungsschlag aus. Dem Hetzbild des "Jud Süß" wurde Lessings "Nathan der Weise" entgegengesetzt. Kaum einer merkte, dass das neue Stereotyp vom toleranten, aufgeklärten und emanzipiert- assimilierten Juden eine volkspädagogische Inszenierung war, die wenig mit der Wirklichkeit der deutschjüdischen bzw. christhch- jüdischen Gemengelage zu tun hatte; ungewollt mobilisierte der blinde Eifer antisemitische Ressentiments. Sozialdemokratische und christliche Linke setzten sich an die Spitze des philosemitischen Paradigmenwechsels. In ihrer kollektiven Erinnerungskultur forcierten sie "Antifaschismus", "Kirchenkampf" und "Internationationalismus".

Erst jetzt konnten junge Deutsche authentische Israel-Erfahrungen machen. [15] Den Informationsreisen organisierter Gruppen folgten Arbeitseinsätze in Kibbuzim, denen in jenen Jahren noch der Hauch abenteuerlicher Expeditionen anhaftete. Federführend waren linkschristliche und studentische Initiativen. [16] Ihre Reiseberichte überschlugen sich vor schrankenloser Bewunderung für Staat und Gesellschaft Israels. Auffallend war auch der Versuch, den jüdischen Staat aus seinen realgeschichtlichen Bezügen zu lösen. Nicht in einem pietistischen Winkelblättchen, sondern in den "Gewerkschaftlichen Monatsheften" hieß es: ""lsrael" ist eine Aufgabe, kein Staat; eine Gemeinschaft, kein Volk, eine Verheißung, keine Macht [...]. "Israel" ist eine Utopie und die einzige Realität zugleich, in der sich das menschliche Leben von der Ewigkeit berührt findet, der Trost der Erwartung." [17] Linke Publizisten heroisierten das fortschrittliche Aufbauwerk im "antikolonialistischen Pionierstaat" Israel, [18] redeten einem Jugendkult das Wort, [19] glorifizierten das Militär als gesellschaftlichen "Erziehungsfaktor" [20] und leugneten einen Interessengegensatz zwischen israelitschen Juden und palästinensischen Arabern. [21] Auf Parteiebene begannen vor allem Sozialdemokraten, Kontakte zur israelischen Schwesterpartei aufzunehmen. Weil beide Seiten sich ihrer Gemeinsamkeiten in der Weimarer Republik und im antifaschistischen Widerstand erinnerten, musste nicht erst krampfhaft nach Anknüpfungspunkten gesucht werden. [22]

Mit Unterstützung des evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer konstituierte sich 1957 an der Berliner Freien Universität die erste "Deutsch-Israelische Studiengruppe" (DIS). Die Gruppe organisierte inoffizielle deutschisraelische Begegnungen und wurde von Anbeginn durch den "Sozialistischen Deutschen Studentenbund" (SDS) dominiert, der bereits vor 1957 über Kontakte zu israelischen Partnern verfügte. (An dieser Stelle sei auch an die "Aktion Sühnezeichen" erinnert - 1958 entstanden im Kontext der Evangelischen Kirche: junge deutsche Aufbauhelfer begannen, an sozialen Projekten in Ländern mitzuarbeiten, die unter dem Naziterror besonders gelitten hatten. 1961 konnte die erste Freiwilligengruppe auch in Israel ein Hilfsprojekt realisieren.)

In den sechziger Jahren war der Prozess der deutsch-israelischen "Normalisierung" in vollem Gange, aufgehalten allerdings durch die Hallstein-Doktrin, die den Alleinvertretungsanspruch der BRD für ganz Deutschland postulierte: Die arabischen Staaten zögerten die diplomatische Anerkennung der DDR hinaus, solange sie sicher sein konnten, dass die Bonner Regierung keine offiziellen Beziehungen zu Israel unterhielt. Dieses erpresserische Junktim mochte ein wachsender Teil der linken Gegenöffentlichkeit nicht länger hinnehmen: Der DGB startete im Oktober 1964 eine Unterschriftenkampagne für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel. Obwohl rechtsradikale Presseorgane eine aufwendige Gegenpropaganda entfesselten und die Geschäftsleitungen nicht weniger Betriebe die Initiative zu torpedieren suchten, sammelten die Akteure binnen drei Monaten 70.000 Unterschriften. Doch erst das Scheitern der Hallstein- Doktrin, das im Februar 1965 im Staatsbesuch des DDR- Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht in Kairo offenbar wurde, vermochte die Bundesregierung zum Einlenken zu bewegen: Die folgende bilaterale "Normalisierung" war "nicht die Frucht einer moralischen Grundsatzentscheidung, sondern die Lösungsformel eines Skandals". [23] Vor diesem Hintergrund sah sich die linke Opposition in die Funktion eines Zuschauers verwiesen.

Mit dem Austausch von Botschaftern 20 Jahre nach dem Ende des Holocaust begann ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen. Fortan beschränkte sich das Interesse an Israel nicht mehr auf kleine geschichtsbewusste und politisierte Gruppen linker Prägung. "Normalität" im deutsch-israelischen Verhältnis drückte sich jetzt auch in jenem realpolitischen Kalkül aus, das der FDP-Politiker Karl-Hermann Flach zur Sprache brachte: "Israel als europäischer Vorposten im Nahen Osten und als "diplomatische Weltmacht" mit einem Einfluss überall auf der Weit, der weit über die Größe und Bedeutung des Staates hinausgeht, kann der Bundesrepublik viele Türen öffnen." [24] Linke Sozialdemokraten konnten ihr pro-israelisches Engagement bruchlos. fortsetzen. Bereits früher geknüpfte Kontakte zu israelischen Partnern wurden nun intensiviert. Die aufkeimende Neue Linke jedoch geriet in eine Identitätskrise: Die amtliche Kehrtwende erlaubte es ihr nicht mehr, zwischen pro-israelischem Engagement und kritischer Auseinandersetzung mit der eigenen Gesellschaft einen Zusammenhang herzustellen. Aktivisten der Deutsch-israelischen Studiengruppen beklagten eine "Banalisierung" der bilateralen Beziehungen, da im Zuge des einsetzenden Massentourismus auch viele unpolitische Reisende nach Israel kamen, denen mit "oberflächlicher Kontaktsuche" ein bequemes Alibi für die Verdrängung der Vergangenheit angeboten werde. [25] Sie befürchteten, zu einer "unpolitische(n) Gesinnungsgruppe deutsch-israelischer Freundschaftspflege" zu degenerieren. [26] Das Bewusstsein, die exklusive Rolle des "Pionier(s) einer Außenpolitik der Solidarität mit Israel" eingebüßt zu haben, trug massgeblich zum Niedergang des neulinken Engagements für den jüdischen Staat bei.

1967-1979: Antizionismus als Weltanschauung

Als Israel sich Anfang Juni 1967 der Eskalations- und Umklammerungsstrategie der arabischen Anrainer-Staaten mit einem Präventivschlag zu er-wehren suchte, wurde der jüdische Staat auch hierzulande von einer Welle der Sympathie erfasst. Mit Beteiligung breiter linker Strömungen, vereinzelt sogar lokaler SDS-Gruppen, kam es zu zahlreichen Solidaritätsaktionen. Unter dem Eindruck einer monströsen anti-israelischen Rhetorik der arabischen Kriegspropaganda27 schien es zunächst, als falle auch der deutschen Linken noch immer eine besondere moralische Verantwortung für die Existenz des jüdischen Staates zu. [28] Den Höhepunkt linker Solldaritätsbekundungen bildete eine Veranstaltung an der Frankfurter Universität, wo mehrere prominente linke Hochschullehrer das Wort ergriffen: Der 1961 aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelte Philosoph Ernst Bloch, der noch ein Jahrzehnt zuvor den Staat Israel als "faschistisch" diffamiert hatte, [29] überraschte durch sein leidenschaftliches Plädoyer für die Existenz Israels, das er jetzt als "ein kleines, tapferes, seine Wüsten bebauendes, sein erneuertes Land verteidigendes Volk" charakterisierte. [30] Bloch widersprach dem unter Linken populär werdenden Imperialismusvorwurf gegenüber Israel und beklagte die linke "Bewusstseinsspaltung" als einen "Skandal [...] mit ungewolltem Pogromklang". [31] Ein vorläufig letztes Mal versammelten sich in Frankfurt Anhänger einer linksorientierten Israel-Solidarität, auch um eine drohende antizionistische Wende der westdeutschen Linken abzuwenden.

Israel hatte sich militärisch auf der ganzen Linie durchgesetzt - gegen eine quantitative Übermacht arabischer Armeen, die von der Sowjetunion ausgerüstet worden waren. Es war ein Teil des Westens geworden, psychologisch unterstützt durch die eruptive Israel-Begeisterung bürgerlich-konservativer Kreise. "Wenn Springer für Israel ist, können wir nur dagegen sein", schlussfolgerten Anhänger der aufkommenden Studentenbewegung. Der einst als progressiv geltende jüdische Pionierstaat wurde bald nur noch als "Brückenkopf des US-Imperialismus" in Arabien wahrgenommen. Zudem warteten die der Studentenbewegung nahestehenden Medien schon kurz nach dem Junikrieg mit immer gröber gezeichneten Schreckensmeldungen über eine angeblich bedenkenlos brutale Kriegführung der Israelis auf; das liquidatorische Programm der arabischen Kriegsplanung geriet in den Hintergrund; differenzierte Stellungnahmen wurden rar.

Die "Gesamtinteressen" der Linken, so formulierte es Anfang Juni 1967 der Marburger Politikwissenschaftler Wolfgang Abendroth, stimmten "stärker mit denen der arabischen Staaten [...] als mit den Interessen Israels" überein. [32] Im September 1967 gehörte der SDS zu den ersten linken deutschen Organisationen, die einen radikal antizionistischen Kurswechsel vornahmen. Der Verband pflegte nun eine aggressiv anti-israelische Diktion: "Zionistische Kolonisierung Palästinas hieß und heißt bis heute: Vertreibung und Unterdrückung der dort lebenden eingeborenen arabischen Bevölkerung durch eine privilegierte Siedlerschicht." [33] In der Folgezeit richtete die studentische Linke ihr nahostpolitisches Interesse immer stärker auf die Palästina-Araber. Eine PLO, die sich fortan als Teil einer globalen sozialrevolutionären Befreiungsbewegung präsentierte, indem sie ihren antizionistischen Kampf mit einer imperialtsmustheoretischen Legitimation versah, konnte sich der Zustimmung der neulinken Internationalisten gewiss sein. Waren die marginalisierten Massen der Dritten Welt die neuen Subjekte internationaler Emanzipationsprozesse, schien der Kampf der palästinensischen Underdogs gegen die nunmehr offen vom US- Imperialismus unterstützten Israelis keine kritischen Nachfragen mehr zuzulassen. Ob in Algerien, Vietnam, Lateinamerika oder in Palästina: In das theoretische Korsett des Antimperialismus gezwängt, traten die historischen Besonderheiten und Widersprüche der einzelnen Konfliktgebiete zugunsten antikolonialer "Eindeutigkeit" zurück. [34]

Beeindruckt von der Schlagkraft palästinensischer Fedajin, die im März 1968 an der jordanisch-israelischen Demarkationslinie den israelischen Streitkräften empfindliche Verluste beigebracht und auf diese Weise - wenigstens für ein paar Stunden - die arabische "Würde" wiederhergestellt hatten ("Schlacht von Al Karamah"), verloren weite Teile der Neuen Linken ihre letzten Vorbehalte gegenüber dem palästinensischen "Volksbefreiungskrieg". Die Weigerung der PLO, das Heimat- und Selbstbestimmungsrecht der jüdisch-israelischen Nation auch nur ansatzweise anzuerkennen, [35] schadete dem geradezu mythischen Nimbus der PLO nicht. Linke Publizisten begannen ein Palästinenserbild zu zeichnen, das sich mit den heroischen Selbstdarstellungen palästinensischer Kampforganisationen deckte. Dieser Schulterschluss zwischen linken deutschen Studenten und in der Bundesrepublik lebenden arabischen Fatah- Anhängern entwickelte sich 1969 zu einem zentralen Kennzeichen internationaler "Solidarität". Initiatoren nahostpolitischer Informationsveranstaltungen, die von linksradikalen Eiferern als "prozionistisch" eingestuft wurden, mussten fortan mit massiven Störungen rechnen. [36] Die Israelfeindschaft der Neuen Linken wuchs sich zu einer geschlossenen antizionistischen Weltanschauung aus. [37]

Auf Einladung palästinensischer Freischärler reiste Ende Juli 1969 ein knappes Dutzend führender SDS-Mitglieder mit beinahe 100 weiteren internationalen Teilnehmern in das haschemitische Königreich Jordanien. Gerüchte über die angebliche Aufstellung internationaler Brigaden durch die Fatah wurden erst Mitte August dementiert; [38] gleichwohl loteten die deutschen Revolutionsromantiker Möglichkeiten einer engeren Kooperation zwischen der antizionistischen Neuen Linken und den palästinensischen Organisationen aus. Die Idee einer anschließenden Erkundungsreise nach Israel zwecks kritischer Überprüfung des eigenen Standpunkts hielten die Besucher für völlig abwegig. [39] Das Konzept des "Volksbefreiungskrieges", den Strategien des Vietkong entlehnt, ließ die Fatah zum Hoffnungsträger antiimperialistischer Sehnsüchte werden. Zeitweise übersetzte und veröffentlichte der SDS als Mitglieder- Service sogar die triuiphalistischen Fatah-"Militärkommuniques" zu "erfolgreichen" Terroraktionen in Israel. [40]

Fasziniert vom grassierenden Dritte-Welt-Mythos, mochten die SDS- Aktivisten nicht mehr an die historischen Voraussetzungen des Zionismus - seine Amalgamierung mit der Jüdischen Leidensgeschichte in Europa erinnert werden. Auf der Grundlage simpler antlimperialistischer Erklärungsmuster vertrat der SDS bis zu seiner Selbstauflösung 1970 eine Politik der revolutionären "Unschuld", in der unter antizionistischen Vorzeichen auch Fragmente eines linken Antisemitismus virulent wurden. Als der israelische Außenminister Abba Eban im Februar 1970 die Bundesrepublik bereiste, ließ der Frankfurter SDS gemeinsam mit anderen Gruppierungen verlautbaren: "Der Besuch Abba Ebans, der als Vertreter eines rassistischen Staates in die Bundesrepublik reist, muss zu einer Demonstration und zum Protest gegen den zionistischen, ökonomisch und politisch parasitären [! M.K.] Staat Israel und seine imperialistische Funktion im Nahen Osten werden [...]. Nieder mit dem chauvinistischen und rassistischen Staatsgebilde Israel." [41] Zu Zentren deutscher "Palästina-Solidarität" avancierten fortan Universitätsstädte, in denen Anhänger des neulinken Spektrums zum Sprachrohr des in der PLO organisierten palästinensischen "Widerstandes" wurden. Unwidersprochen verbreiteten sie auch antisemitisches Gedankengut. Das Bonner Palästinakomitee suggerierte in seinen Statuten die ominöse Existenz eines "jüdischen Kapitals" [42] Berliner Maoisten verfassten 1971 ein Flugblatt gegen "US- Imperialismus und We]tltzionismus" [43] die Leitung des Kommunistischen Bundes rief nach dem ägyptischen Überfall auf Israel - während des höchsten jüdischen Feiertags "Yom Kippur" (Oktober 1973) -zum Kampf gegen den "internationalen Zionismus" auf. [44]

Trotz ideologisch unterschiedlicher Akzentsetzungen bemühten sich die lokalen Palästinakomitees von Anfang an um eine Koordination ihrer Aktivitäten. Die Delegierten einer europaweiten Arbeitstagung verabschiedeten im März 1971 eine Plattform, die die antizionistische Identität der Gruppen festschreiben sollte: Da Israel "ein kapitalistischer, kolonialistischer und rassistischer Staat" sei, müsse mittels des "bewaffnete(n) Volkskrieg(s) [...] die vollständige Zerschlagung des zionistischen Staates" erfolgen. Eine Zweistaatenlösung bzw. eine binationale Entwicklungsstrategie verwarfen sie als "gegen die Interessen der Revolution" gerichtet. [45]

Einen organisatorischen Aufschwung nahm die außerparlamentarische Solidaritätsbewegung ausgerechnet in jener Zeit, in der der tödliche Überfall von Mitgliedern der palästinensischen Organisation "Schwarzer September" auf die israelische Olympia-Mannschaft im September 1972 ein Klima innenpolitischer Repression einleitete: Massenhaft wurden vermeintliche oder tatsächliche Sympathisanten der palästinensischen Terrorszene abgeschoben. [46] Neulinke Initiativen organisierten Solidaritäts- und Rechtshilfeaktionen, begleitet von Presseerklärungen und demagogisch überfrachteten Agitationsbroschüren. [47] Allein in Dortmund demonstrierten Anfang Oktober 1972 mehrere tausend Menschen. [48] Wenig später beschlossen Vertreter von gut 60 Studentenausschüssen, Verbänden und K-Gruppen die Durchführung einer bundesweiten Solidaritätswoche "zur Unterstützung des Befreiungskampfes des palästinensischen Volkes". Im gemeinsamen Aufruf verstieg man sich, wie so oft in diesen Jahren, zu antizionistischen, das Existenzrecht Israels negierenden Parolen: "Nieder mit Imperialismus, Zionismus und der arabischen Reaktion!" usw. [49]

Spätestens Mitte der siebziger Jahre gerieten die Palästinakomitees immer stärker unter den Einfluss kleiner, aber lautstarker kommunistischer Kaderparteien. In martialisch betitelten Zeitschriften und sporadisch erscheinenden Winkelblättchen verbreiteten rivalisierende Gruppen ihre Vorstellungen zur "palästinensischen Revolution". Die ideologische Zersplitterung der PLO fand ihre akribische Entsprechung im Selbstverständnis jener Komitees, die sich der exklusiven Unterstützung palästinensischer Partialinteressen verschrieben hatten. Bei allem Dissens im Detail aber zeichneten ihre Aktivisten das Bild vom "heldenhaften Kampf des palästinensischen Volkes" gegen das "zionistische und imperialistische Gebilde "lsrael"". [50] Entsetzt über den ägyptisch-israelischen Entspannungsprozess von Camp David fanden sich auf Initiative der Bonner PLO-Informationsstelle "Palästina" im Spätherbst 1977 zwanzig deutsche Palästinakomitees zusammen, um noch einmal den Versuch einer Vereinheitlichung der Solidaritätsbewegung zu unternehmen. Auch jetzt, wo der linksradikale "Internationalismus" erste Krisensymptome aufwies, suchte man zwecks ideologischer Selbstvergewisserung das Heil in einer gemeinsamen "Plattform" [51]: Die versammelten Komitee-Vertreter berauschten sich an der Forderung einer "vollständige(n) Zerschlagung des zionistischen Staates in Palästina" und beschworen ihre vollständige Identifikation mit dem Mythos einer palästinensischen Autoemanzipation: "Die Palästina-Komitees betonen, dass das palästinensische Volk sein eigener Befreier ist und im Vertrauen auf die eigene Kraft seine Revolution zum Sieg führen wird." [52]

Militant-anarchistische Kreise der Neuen Linken trieben die Glorifizierung ihrer palästinensischen "Helden"-Figuren auf die Spitze. Publizistisches Forum der "libertären" Kommunisten wurde die West-Berliner "Underground"-Zeitung "Agit 883", die trotz wiederholter staatlicher Ermittlungen und Verbotsverfügungen zeitweise eine wöchentliche Verkaufsauflage von bis zu 20.000 Exemplaren erreichte. In immer neuen Variationen beschworen ihre Autoren die "großartige Wahrheit" des bewaffneten Widerstandes der palästinensischen Fedajin, [53] "weil das Gewehr die einzige Ausdrucksmöglichkeit aller Unterdrückten ist - überall". [54] Doch beschränkten sich die linken Schreibtischtäter nicht auf eine revolutionsromantische Ästhetisierung von Gewalt, sondern warben unter dem Motto "Schlagt die Zionisten im eigenen Land! " auch für einen gewaltbereiten Kampf gegen die "Erfüllungsgehilfen" Israels in der BRD. [55]

Ausgerechnet in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1969 machten deutsche Antizionisten Ernst mit ihren Phantasien und griffen (wie weiland ihre Väter) jüdische Einrichtungen an. Im Bekennerschreiben erklärten die "Schwarzen Ratten TW" (Tupamaros Westberlin): "Am 31. Jahrestag der faschistischen Kristallnacht wurden in Westberlin mehrere jüdische Mahnmale mit "Schalom und Napalm" und "El Fatah" beschmiert. Im jüdischen Gemeindehaus wurde eine Brandbombe deponiert. Beide Aktionen sind nicht mehr als rechtsradikale Auswüchse zu diffamieren, sondern sind ein entscheidendes Bindeglied internationaler Solidarität Der wahre Antifaschismus ist die klare und einfache Solidarisierung mit den kämpfenden Feddayin [...]. jede Feierstunde in Westberlin und in der BRD unterschlägt, dass die Kristallnacht von 1938 heute tagtäglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten, in den Flüchtlingslagern und in den israelischen Gefängnissen wiederholt wird. Aus den vom Faschismus vertriebenen Juden sind selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen." [56] Welcher Gruppe die Urheber des Bombenanschlags entstammten, konnte bis heute nicht geklärt werden. Obwohl die Aktion auch unter den Aktivisten der Palästinakomitees (PKs) auf heftige Kritik stieß, [57] war damit ein Fanal gesetzt, das nicht ohne Folgen blieb.

Ein Teil der unter verschiedenen Namen auftretenden "Haschrebellen", aus denen bald die "Bewegung 2. Juni" hervorgehen sollte, hatte bereits im Sommer 1969 in palästinensischen Lagern in Jordanien eine militärische Grundausbildung durchlaufen. Mit "dem totalen Willen zu kämpfen sind die Leute dann aus Palästina zurückgekommen", berichtete später einer ihrer Mitstreiter. [58] Erst die straff organisierte und professionalisierte "Rote Armee Fraktion" (RAF) begann im Frühsommer 1970, aus den militant-antizionistischen Phantasien der spontaneistischen West-Berliner Anarcho-Szene blutigen Ernst zu machen: In zwei Schüben sickerten im Juni über zwanzig Mitglieder der RAF - darunter Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Horst Mahler - von Ost-Berlin via Beirut nach Amman ein, um in einem Ausbildungslager der Fatah von palästinensischen Kämpfern unter-wiesen zu werden. Interne Unstimmigkeiten, aber auch Spannungen zwischen den deutschen und den palästinensischen Kombattanten führten nach zwei Monaten zu einem vorzeitigen Abbruch der "Ausbildung". [59]

Trotz des Eklats blieben die Verbindungen zwischen palästinensischer und westdeutscher Guerilla auch in der Folgezeit bestehen: Im Sommer 1976 brachte ein deutsch- palästinensisches Kommando aus Mitgliedern der "Revolutionären Zellen", der "Bewegung 2. Jum" und der "Popular Front for the Liberation of Palestine" (PFLP) ein französisches Passagierflugzeug in ihre Gewalt und dirigierte die Maschine nach Entebbe (Uganda) um. Der Deutsche Wilfried Böse organisierte die räumliche Trennung der jüdischen von den nicht- jüdischen Passagieren. [60] Nicht zuletzt diese neue Qualität der antisemitischen Gewaltpraxis begann die antizionistische Selbstgewissheit der deutschen Palästina-Solidarität in Frage zu stellen.

1979-1989: Zerreißproben und Lernprozesse

Schockiert von den Selektionspraktiken eines linksradikalen deutschen Terroristen realisierten führende Anhänger der Neuen Linken, dass der Kampf gegen Unrecht auch monströse Züge annehmen kann. Die Frage nach der Virulenz eines "linken Antisernitismus" stellte sich immer drängender. Einige erkannten, dass der Antizionismus in weiten Teilen der radikalen Linken eine kaum widersprochene Platzhalterfunktion für den gesellschaftsunfähigen Antisemitismus eingenommen hatte; sie gingen auf Distanz zur Palästina-Solidarität. [61] Bei den verbliebenen PK-Aktivisten stellte sich eine wachsende Verunsicherung ein: Als die PLO, um ihr ramponiertes Ansehen aufzubessern, ihren agitatorischen Schwerpunkt auf politisch- diplomatische Initiativen verlegte, witterten deutsche Antizionisten zwar eine "ideologische Zersetzung", doch schien jetzt - auch unter dem Eindruck der enttäuschenden Verhältnisse im befreiten Indochina - eine grundsätzliche Neujustierung linker Solldaritätsprinzipien angesagt. [62]

Die linke Nahost-Debatte spitzte sich noch einmal zu, als die israelische Armee im Sommer 1982 in den Libanon einmarschierte, um dort befindliche PLO-Basen zu zerstören. In Zeitungen, Zeitschriften und Flugblättern wurde Israel des Völkermords an den Palästinensern bezichtigt. Publizisten erlagen der Faszination begrifflicher Tabubrüche und witterten triumphierend die Gelegenheit, Antifaschismus und Antisemitismus miteinander zu versöhnen. Nicht zuletzt Journalisten der Berliner "Tageszeitung" ("Taz") beteiligten sich an jener historischpsychologischen Entlastungsoffensive, bei der die betroffenen Palästinenser als die "neuen Juden" bezeichnet und die israelischen Invasoren mit den Nazis verglichen wurden. Die gezielte Vermischung historischer Ebenen gipfelte wechselweise im Vorwurf des "umgekehrte(n) Holocaust(s)" bzw. einer "Endlösung der Palästinenserfrage". [63]

Noch auf dem Höhepunkt der hier nur angedeuteten verbalen Exzesse wurden Einsprüche gegen den Versuch laut, die deutsche Geschichte auf dem Rücken ihrer Opfer bewältigen zu wollen. Trotz der schon Ende der siebziger Jahre begonnenen Reflexionsprozesse zeichnete sich erst im Sommer 1982 eine Wende im Palästinenserbild ab. Wolfgang Pohrt stellte lakonisch fest: "Unter die Völkermorde subsumiert, kann der Libanonkrieg nur als Kavaliersdelikt betrachtet werden [...]. Kein Grund zur Annahme, die Palästinenser würden sich, wenn sie Erfolg hätten, anders verhalten als die Israelis. Kein Grund freilich auch, von den Palästinensern zu erwarten oder zu verlangen, aus den Bombardements ihrer Flüchtlingslager durch die israelische Luftwaffe eine andere Lehre zu ziehen als jene Juden, die Israel gründeten: Dass man vertreiben und verfolgen muss, will man nicht zu den Verfolgten und Vertriebenen zählen." [64] Etwa zeitgleich mit jüdischen Linken appellierte der Grünen-Politiker Joschka Fischer an seine Mitstreiter, die nahöstlichen "Realitäten" zur Kenntnis zu nehmen und von "blinde(r) Solidarität" mit den Palästinensern abzusehen. Ganz im Sinne des von der Frankfurter Spontiszene unterstützten nahostpolitischen Kurswechsels der Neuen Linken forderte er: "Wir sollten endlich aufhören, palästinensischer als die PLO zu sein. Wir sollten mit unserer Solidarität durchaus eigene Ziele verfolgen, was uns sowohl mit den Israelis als auch mit den Palästinensern in Widerspruch bringen kann [...]. Ein zweites vietnamesisches Erwachen könnten wir uns dadurch ersparen." [65]

Doch die Mahnungen linker Leitfiguren verhallten, wie sich bald herausstellte. Als im Herbst 1983 die im Libanon stationierten syrischen Truppen gemeinsam mit prosyrischen palästinensischen Milizen Bastionen loyaler Gruppen des PLO-Vorsitzenden Arafats stürmten, erzeugten die Übergriffe nicht einen Bruchteil jener Betroffenheit, die ein Jahr zuvor die israelische Invasion begleitet hatte; dies, obwohl allein im Flüchtlingslager Baddawl nördlich von Tripoli mindestens eintausend Menschen den Tod fanden. [66]

Auch die mit syrischer Unterstützung erfolgte Belagerung und Einkesselung von drei Palästinenserlagern am südlichen Stadtrand Beiruts durch schiitische Amal-Millzen zwischen Mai 1985 und Januar 1988 stieß auf eine Koalition des Schweigens, obwohl schon früh Berichte über Massaker an palästinensischen Bewohnern an die Weltöffentlichkeit gelangt waren, die alle bisherigen Greueltaten im libanesischen Chaos in den Schatten stellen sollten. [67] Bereits im Frühsommer 1985 war in einer redaktionellen Notiz der "Taz" zu lesen: "Vermutlich liegt die Zahl der Opfer im "Lagerkrieg" heute höher als während des Massakers in Sabra und Shatila, das falangistische Milizen unter den Augen israelischer Soldaten im September 82 verübten. Das genaue Ausmass der syrischen Verwicklung im "Lagerkrieg" wird wohl nie geklärt werden. Denn anders als im Falle Israels 1982 wird es in Damaskus keine Untersuchungskommission über die Rolle Syriens geben." [68]

Trotz einer umfassenden Berichterstattung stieß das Leid der Palästinenser jetzt nur noch auf taube Ohren. Verzweifelt fragte die "Taz"-Korrespondentin Beate Seel: "Wo bleibt der sonst übliche Aufschrei [...]? Offenbar gelten andere Kriterien, wenn die Täter nicht in erster Linie im prowestlichen Israel, sondern in arabischen Hauptstädten sitzen. Manch einem der sonst so aufrechten Demonstranten liegt offenbar das Schicksal des palästinensischen Volkes nicht länger am Herzen, wenn er nicht gleichzeitig gegen eine "neue zionistisch-amerikanische Verschwörung" protestieren kann." [69]

1989-1999: Ende der Funktionalisierung?

In den späten achtziger Jahren erzeugte das unausgegorene Nahost- Engagement der links-alternativen Szene zunehmend Unbehagen. Insbesondere die Grünen wurden von "kathartische(n) Zerreißproben" erschüttert. [70] Zur allmählichen Mässigung trugen auch Organisationen wie die "Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste" und der "Deutsch-Israelische Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten" bei, die ihre publizistische Hintergrundarbeit beharrlich intensivierten. [71] Seitdem selbst in der PLO die Notwendigkeit eines Kompromisses mit Israel mitunter eingestanden wird, praktizieren nicht einmal mehr "autonome" Kreise jene "klassische" Palästina-Solidarität, die während der Intifada gegen die israelische Besatzungsmacht vorübergehend neue Anknüpfungspunkte für radikalen Antizionismus und gewaltbereite pro-palästinensische Revolutionsromantik gewonnen hatte. [72]

Mit der Auflösung des sowjetischen Machtblocks ist das nahostpolitische Interesse merklich abgeflaut. Diese Entwicklung ist nicht allein mit den Legitimationsdefiziten manichäischer Feindbilder erklärbar. Paralysiert von der Niederlage des real existierenden Sozialismus und vom stürmischen Prozess der deutschen Vereinigung haben sich die Zerfallserscheinungen einer orientierungslos gewordenen Linken dramatisch beschleunigt. Linksradikale Organisationen sind heute von der gesellschaftlichen Bildfläche nahezu verschwunden. Nicht mehr nur Exzentriker fragen sich, ob das historische Projekt der Linken an seinem Endpunkt angekommen ist.

Gleichwohl hat der Golfkrieg des Winters 1991 der deutschen Restlinken noch einmal Auftrieb verschaffen können - um den Preis einer erneuten ethnozentrischen und anti-israelischen Ausnichtung. Wochenlang musste die israelische Bevölkerung mit Gasmasken in versiegelten Räumen sitzen, weil der Irak im Besitz von chemischen Waffen war, die mit Hilfe deutscher Techniker zu einer tatsächlichen Bedrohung geworden waren. Saddam Hussein drohte den Einsatz dieser Waffen gegen Israel an, obwohl der jüdische Staat gar nicht Teil der alliierten Kriegskoalition war. In Israel, wo die Regierung Shamir sich nicht zu einem Gegenschlag verleiten ließ, warteten die Menschen in gegen Gas abgedichteten Räumen angstvoll das Ende des Krieges ab; schließlich hatte der Irak Jahre zuvor chemische Waffen gegen die eigene kurdische Bevölkerung eingesetzt. Angesichts der erneuten Konnotation von "Deutschen" und "Gas" machte sich zugleich ohnmächtiger Zorn breit. [73]

Doch die Protestler beschäftigten sich mehr mit ihren eigenen Zukunftsängsten als mit der bedrohlichen Situation der israelischen Bevölkerung. [74] Einige Vertreter der Friedensbewegung verhehlten nicht ihre Sympathien mit jenem irakischen Diktator, der einer überlegenen alliierten Streitmacht die Stirn bot. Dass der Aufruf zur zentralen Antikriegskundgebung in Bonn am 26. Januar 1991 keinerlei Hinweis auf die Bedrohung Israels enthielt, obwohl neun Tage vorher bereits die ersten irakischen Raketen im großraum von Tel Aviv eingeschlagen waren, wurde kaum registriert. Als der grüne Vorstandssprecher Christian Ströbele mit pazifistischem Pathos die Lieferung deutscher Abwehrwaffen an Israel ablehnte, nahm seine persönliche Glaubwürdigkeit allerdings deswegen Schaden, weil er noch in den achtziger Jahren die "Taz"Spendensammlung "Waffen für EI Salvador" koordiniert hatte. Der Parteiräson wurde er schließlich (vorübergehend) geopfert, nachdem er die Raketenangriffe auf jüdische Wohngebiete als "die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels" bezeichnet hatte. [75]

In der Auseinandersetzung mit den "Abtrünnigen" aus dem bellizistischen Lager der Linken fielen harsche Worte: Konnten Dissidenten mit jüdischem Hintergrund noch mit fast mitleidigen Kommentaren rechnen, [76] mussten sich andere "verlogene(n) Antifaschismus" und die "Dämonisierung Husseins" vor-werfen lassen. [77] Berichte über die Bedrohung Israels durch die irakischen Raketen wurden nicht nur in rechtsextremen Medien, sondern auch in "antiimperialistischen" Kreisen als "Kriegspropaganda" bezeichnet. [78] Für den Freiburger "Bund gegen Anpassung" bedeuteten die Angriffe auf israelische Städte "nur ein bisschen Sachschaden" - eine "eher harmlose Kriegslist". [79] In der feministischen "Emma" wurde Saddam Hussein entgegen sonst üblicher Gepflogenheiten als "Bruder" gefeiert. [80] Nur wenige dezidiert linke Zirkel boten der verbreiteten Faktenresistenz Paroli: Ein großteil jener 1.100 "KONKRET"-Leser/Innen, die in den Kriegswochen ihr Abo kündigten, zeigte sich irritiert darüber, dass ihr Hausblatt, ehemals stramm antizionistisch, plötzlich und unerwartet Solidarität mit Israel signalisterte. [81]

Manche der zitierten antiizionistischen Entgleisungen klingen heute wie Relikte aus dem Kuriositätenkabinett. 1993 hat Micha Brumlik in einem Nachruf auf das Israel-Bild deutscher Linker erklärt, mit dem vorläufigen Friedensschluss zwischen Israel und der PLO sei "ein Kapitel deutscher (Un)Bewusstseinsgeschichte geschlossen" worden. [82] Dieser Trend mag mit kathartischen Binnenimpulsen zu tun haben, muss aber auch als ein Indikator für den äusseren Zerfall der radikalen Linken in Deutschland angesehen werden. Die späten neunziger Jahre vermittelten den Eindruck, als ob nicht mehr Antifaschismus, Neutralismus und Antizionismus, sondern Pro-Israelismus, Westbindung und Antitotalitarismus die Leitideen einer geläuterten Linken ausmachten. Als Joschka Fischer und andere prominente Grüne im Frühsommer 1995 zu ihrem ersten "Staatsbesuch" nach Israel aufbrachen, titelte die "Berliner Zeitung" nicht von ungefähr: "Grüne sind jetzt auch bei Rabin salonfähig." [83] Israelfeindliche Ausfälle im subkulturellen Milieu des rotgrünen Spektrums ließen sich eher als unfeine Entgleisungen denn als Ausdruck antizionistischer Grundüberzeugungen deuten. [84] Der so hoffnungsvoll begonnene Friedensprozess im Nahen Osten mochte dazu beigetragen haben, dass ein weltanschaulich auftretender Antizionismus an Anziehungskraft verloren hatte. Ideologische Affinitäten zwischen islamistischen Arabern und linken Deutschen oder das rechtsgerichtete Renegatentum von Intellektuellen wie Bernd Rabehl, Martin Walser und Horst Mahler schienen kaum mehr als exotische Randerscheinungen zu sein.

Allerdings hat der Autor dieser Zellen in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass in einer marginalisierten Linken auch künftig mit einem Restbestand antizionistisch motivierter Protagonisten zu rechnen sein wird. Die antisemitische Saat geht stets dann aus dem kollektiven Unterbewussten auf, wenn Rückschläge im nahöstlichen Friedensprozess das Bild des "hässlichen" Israeli zu zeichnen erlauben. Ein Musterbeispiel dafür ist die Al-Aksa-Intifada, die das Verhältnis der deutschen Linken zu Israel in alte Bahnen zurückgeworfen hat. Die Präsidentschaften von George W. Bush und Ariel Sharon werden für nicht wenige deutsche Linke Grund genug sein, um Anti-Amerikanismus und Anti-Israelismus wieder nach Kräften zu beleben.

2000: Abschied von Illusionen

Die israelisch-palästinensischen Endstatus-Verhandlungen sind im Juli 2000 gescheitert, obwohl noch kein israelischer Ministerpräsident den Palästinensern so weit entgegengekommen ist wie Ehud Barak: Er bot die Rückgabe von 95 Prozent der besetzten Gebiete, die Auflösung zahlreicher Siedlungen, territoriale Kompensationen aus dem Kernland Israels und die faktische Zweiteilung Jerusalems an - gegen die vage Hoffnung auf eine friedliche Köxistenz und gegen den Verzicht auf ein uneingeschränktes Rückkehrrecht der etwa 3,7 Millionen zählenden Diaspora-Palästinenser.

Es ist zu vermuten, dass Yassir Arafat sich davor scheute, die nur noch schmale Kluft zu überbrücken, um nicht als kompromisslerischer "Verräter" in die palästinensische bzw. panarabische Nationalgeschichte einzugehen. Zudem hätte ihn der Schritt vom Guerillaführer zum Staatsmann gezwungen, Fragen der palästinensischen 1nfrastruktur, des wirtschaftlichen Aufbaus und der Eingliederung von Flüchtlingsrückkehrern zur Chefsache zu machen. Bei einem möglichen Scheitern seines korrupten und durch westliche Alimentierung aufgeblähten Apparats wäre der Popanz des antizionistischen Sündenbocks unbrauchbar geworden - die innerpalästinensischen Widersprüche hätten offen ausbrechen können. Angesichts der zu erwartenden Probleme im eigenen Lager kam Arafat der "Spaziergang" des israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon auf dem Tempelberg gerade recht. Denn eines war dem Palästinenserpräsidenten so klar wie Sharon: Anders als die jordanischen Behörden, die bis 1967 Juden den Zutritt zur Klagenlauer und anderen jüdischen Gedenkorten verwehrt hatten, kann keine israelische Regierung den freien Zugang zu den Heiligtümern der drei Weltreligionen verbieten, schon gar nicht ihren eigenen Bürgern. Damit war der Weg frei für einen "spontanen", aber gut organisierten Aufstand. Der säkulare Nationalitätenkonflikt wurde binnen weniger Stunden zu einem religiösen Kampf zwischen Muslimen und Juden. Die Weltgemeinschaft wusste sofort den Schuldigen zu benennen: Anstatt Arafat zu drängen, von der religiös aufgeladenen Konfrontation zum in Oslo vereinbarten Dialog mit Israel zurückzukehren, verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine Resolution, in der Israel "exzessive Gewaltanwendung" vorgeworfen wurde [85] - dies, obwohl die israelische Armee zurückhaltender agiert, als dies Streitkräfte in vergleichbaren Situationen weltweit zu tun gewohnt sind. [86]

Auch die deutsche Öffentlichkeit schloss sich fast einmütig den einseitigen Schuldzuweisungen an, schürte antijüdische Ressentiments und verbreitete gelegentlich sogar wider besseres Wissen gefälschte Nachrichten. [87] In der einfältigen Logik "linker" wie "rechter" Medien hat die palästinensische Seite schon allein deswegen die Opferrolle inne, weil die Intifada- Kids bei ihren Angriffen die meisten Verluste erleiden. Täter scheinen stets nur die Israelis zu sein: Zwar schreiten die in der Regel lediglich im Falle lebensbedrohender Attacken ein; doch ihr moralisch unverzeihliches "Vergehen" besteht darin, dass ihre Verluste sehr viel geringer sind als die der Palästinenser.

Die "Bundeszentrale für politische Bildung", der statutengemäß die Förderung der deutsch-israelischen Beziehungen obliegt, hat unlängst in ihrer "Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament"" eine Gruppe arabischer und deutscher Autoren aufgeboten, die dem Osloer Friedensprozess allesamt grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen (und schon immer gewusst haben wollen, dass die Verhandlungen nur dazu dienen sollten, eine palästinensische Kapitulation herbeizuzwingen). Als einziger israelischer Autor kommt in dem Themenheft der revisionistische Haifaer Historiker Ean Pappe zu Wort, der mit seinem rigorosen Antizionismus wohl kaum mehr als sich selbst und 0,1 Prozent der jüdisch- Israelischen Bevölkerung vertritt. [88]

Verkehrte Welt: Der von Arafat ernannte Mufti von Jerusalem und Palästina, Sheik lkrima Sabri, hat auf dem Höhepunkt der Al-Aksa- Intifada erklärt, dass eine gläubige Mutter "von Freude erfüllt" sein müsse über den "Märtyrer"-Tod ihrer Kinder. [89] Kein Wunder, dass Arafats Tansim-Milizen scharenweise Kinder an die vorderste Front schicken, um die Sympathien der Welt auf sich zu lenken und den Hass auf Israel zu schüren. Wer von den linken Friedenspädagogen ist je der Frage nachgegangen, war-um in palästinensischen Schulbüchern bis auf den heutigen Tag gegen "die Juden" gehetzt, die Zerstörung des jüdischen Staates gefordert und Israel selbst in offiziellen Atlanten nur als "besetztes Palästina" firmiert?

Schon wenige Monate nach Unterzeichnung der Osloer Vereinbarungen rief Arafat vor einem arabischen Publikum zum "Jihad" für die "Befreiung" Jerusalems auf und erinnerte daran, dass Mohammed ebenfalls Friedensverträge mit Ungläubigen geschlossen habe - als Vorspiel zu militärischen Eroberungszügen. [90] Während israelische Politiker darüber diskutieren, welche territorialen Konzessionen sicherheitspolitisch zu verantworten sind, wird der innerpalästinensische Diskurs von ganz anderen Inhalten bestimmt: "Wir haben mit einem Feind zu ringen, der ein Shylock ist", verbreitet Othman Abu Garbije, Arafats Berater, über die offizielle Radiostation der Autonomiebehörde, "Kol Falastin". "Al Hajat Al Jadidah", das amtliche Presseorgan der Autonomichehörde, wettert gegen "die verlogenen Behauptungen der Zionisten von den Morden, die an den Juden [in der Shoah, M.K.] begangen wurden". Als ob es keinen Osloer Friedensprozess gegeben hätte, sind in den späten neunziger Jahren in der palästinensischen und arabischen Presse säkularisierte Ritualmordlegenden aufgetaucht, mit Überschriften wie: "Israelis infizieren palästinensische Kinder mit dem Aids-Virus" inzwischen kursieren auch "Berichte", die die Verbreitung israelischer Schokolade in der arabischen Welt, hergestellt aus Milch von BSEkranken Kühen, zum Inhalt haben. Stand im Mittelalter der angebliche Mord an Christenkindern auf der Tagesordnung, wird heute das "Kindermörder"-Phantasma zum anti- israelischen Schibboleth. Kann es da erstaunen, dass Juden und jüdische Einrichtungen im Herbst 2000 weltweit attackiert wurden und der Staat Israel von seinen arabischen Nachbarn - mindestens hinter vorgehaltener Hand - noch immer für ein illegitinies Paria-Gebilde gehalten wird? [91]

Derweil fordern die "selbstbewusst" randalierenden und attackierenden "Intifada-Kids", glaubt man Ludwig Watzal, Redakteur der Bundeszentrale für politische Bildung, "nur Selbstverständliches": "Sie wollen nicht die Bürde eines "palästinensischen Versailles" auf alle Ewigkeit tragen." [92] Birgit Cerha, Korrespondentin des Berliner "Tagesspiegel", treibt den Geschichtsrevisionismus auf die Spitze, indem sie behauptet, Israels "Entstehung (sei) nur durch das Leid Hunderttausender Palästinenser möglich geworden" [93] - als ob es keine Shoah, keinen UN-Teilungsbeschluss und keine arabische Vernichtungsdrohung gegen die jüdische Präsenz in Palästina gegeben hätte. Heute können in Berlin Tausende pro- palästinenischer Demonstranten "Zionisten raus aus Palästina" und "Israelis - Kindermörder" skandieren, ohne dass eine kritische Oeffentlichkeit Anstoß an derlei antisemitischer Parolen nimmt. [94] Als während einer Palästinademonstration in Wien Anhänger der "Revolutionär-Kommunistischen Liga" (RKL) und des "Kommunistischen StudentInnenverbandes" (KSV) fragten: "Was will die Jüdische Politik? Weltherrschaft?", führte das dort wenigstens zu "einer lange fälligen Antisemitismus- Diskussion". [95]

Wie reagieren die Reste der deutschen Linken auf die neuerlichen Gewaltausbrüche? Die PDS- und DKP-nahen Zeitungen "Neues Deutschland" ("ND"), "Junge Welt" ("JW") und "Unsere Zeit" ("UZ") setzen personell [96] und verbal eine böse Tradition fort: Wann immer die israelische Armee Angriffe des palästinensischen Mobs abwehrt, sind dies "Racheaktion(en)", die die doch sonst religionslosen Kommunisten fragen lässt: "Wer stoppt dieses alttestamentarische Gemetzel?" [97] Die trotzkistische "Arbeitermacht", die die letzten deutschen Weltrevolutionäre um sich schart, holt gar den antizionistischen Konsens der 68er aus der Mottenkiste. "Der zionistische Staat kann nicht reformiert - er muss zerschlagen [...] werden." Es folgt der Aufruf zu einem "Arbeiterboykott gegen Israel", wobei die Aufforderung, gleichzeitig "entschlossen allen Formen des Antisemitismus entgegenzutreten, [98] nicht der Komik entbehrt. Demgegenüber mutet eine "JW"-Überschrift nachgerade gemäßigt an, die Israel nach einem palästinensischen Autobombenanschlag Zurückhaltung attestiert: "Aggression vorerst vertagt". [99]

Die staatsnahe Linke äussert sich kaum weniger tumb: Manfred Wüst, als Leiter des Goethe-Instituts in Ramallah offizieller Sendbote deutscher Leitkultur in Palästina, hat sich als Experte für israelische Identität geoutet: "Tatsache ist, dass die meisten Israelis das Leben in dieser Region nicht interessiert. Sie wollen sie nur besitzen." [100] Der Grünen-nahe "Deutsch- Israelische Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten" (DIAK), der seit mehr als 20 Jahren eine "Position kritischer Solidarität" bezieht, glaubte schon zehn Tage nach Beginn der neuen Unruhen von einer "überharte(n) Reaktion Israels" sprechen zu können. Indem er die palästinensische "Frustration" mit der "unnachgiebigen Haltung Israels" in Verbindung brachte, signallsierte er indirekt Verständnis für die palästinensischen Gewalttätigkeiten, denn Baraks Vorschläge hätten "nicht einmal dem Minimum der palästinensischen Erwartungen" entsprochen. [101] Für Kirsten Maas, Vertreterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah, ist Sharon nicht nur wegen seines Tempelberg- Auftritts, sondern auch wegen seiner früheren Libanon-Politik schlicht ein "Faschist". [102] Wer linke Antisemiten im 0-Ton kennenlernen möchte, hat im Online-Forum der "Taz" reichlich Gelegenheit dazu. [103] Eine Ausnahme bildet die, allerdings längst nicht mehr der Linken, sondern dem Realo-Flügel der Grünen anhängende Frankfurter "Kommune", in der auch israelische Positionen authentisch wiedergegeben werden. [104]

Bei soviel historisch-politischem Sachverstand in den eigenen Reihen ist es den deutschen Parlamentsgrünen hoch anzurechnen, dass sie sich inzwischen - auch eingedenk früherer israelpolitischer Peinlichkeiten - doch eher zurückhalten. [105] Allein der Abgeordnete Christian Sterzing wandte sich im Januar 2001 mit einer persönlichen Erklärung "zur aktuellen Entwicklung des israelischpalästinensischen Konflikts" an die deutsche Oeffentlichkeit: Er geißelte die angeblich "exzessive und unverhältnismässige Gewaltanwendung durch die israelische Armee", bemühte sich aber streckenweise um eine Position der Äquidistanz; Kritik an den Palästinensern wagte er freilich nur in homöopathischen Dosen zu äussern: "Die palästinensische Seite muss sich auch fragen lassen, ob sie genug unternommen hat, um Kinder von gewalttätigen Konfrontationen fernzuhalten, oder ob es sogar politische Kräfte gibt, die palästinensische Kinder für diesen Konflikt instrumentallsieren." immerhin redete Sterzing nicht einem "ultlmative(n) EU-Friedensplan" das Wort, sondern warb um "Beiträge zur Deeskalation in einer verhandlungslosen Zeit". [106]

Links- und ökosozialistische Linke auf europäischer Ebene sind da weniger zimperlich: Anfang Dezember 2000 eilte eine Delegation der "Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken und Nordischen Grünen" (KVEL/NGL) in das nahöstliche Krisengebiet, um eine "Antwort" auf die Eskalation der Gewalt zu finden: "Die wichtigste Botschaft", so heißt es im "ND" über die europäischen Emissäre, "brachte die Gruppe aus den Krankenhäusern in Gaza und Ramallah mit: Es bedarf dringend internationaler Unterstützung, damit die unverhältnismässige Gewalt des israelischen Militärs gegen die palästinensische Zivilbevölkerung beendet wird." Die (noch?) tabubehaftete Schlussfolgerung überließen die fortschrittlichen Europäer den palästinensischen Fragestellern: "Warum hat die Nato im Kosovo eingegriffen, während die internationale Gemeinschaft Israel gewähren lässt?." Dass es möglich wäre, auch einmal israelische Opfer palästinensischer Gewalttaten zu besuchen, ist den linken Europa-Politikern nicht eingefallen. [107]

Man muss sich nicht die verschwörungstheoretischen Argumente antinationaler Linker zu eigen machen, die in den Palästinensern "das derzeit aggressivste antisemitische Kollektiv" sehen, [108] um die Konturen einer zweiten - mehr als virtuellen - Nahostfront in den Medien zu erkennen: Eine bemerkenswerte Koalition linksliberaler, linksradikaler und rechtsextremer Deutscher scheut nicht davor zurück, Sympathien mit den zentralen Inhalten einer politischen Theologie des Islam zum Ausdruck zu bringen - erinnert sei an die Heroisierung palästinensischer Märtyrer durch Christina Förch im linksliberalen "Freitag". [109] Als eine Mitarbeiterin des Berliner "Zentrums für Antisemitismusforschung" Anfang September 2000 vor einem internationalen Publikum die Vernetzung rechtsextrernistischer und istamistischer Gruppen (Hamas, Hisbollah) anhand einer eindrucksvollen Internet-Präsentation belegte, [110] erntete sie empörten Widerspruch aus den Reihen deutscher und US- amerikanischer Orientalisten, obwohl sie die "linke" Komplizenschaft erst gar nicht angedeutet hatte. Neonazis wie der frühere RAF-Aktivist Horst Mahler begeistern sich inzwischen ungeniert für die deutsch-palästinensische Volksfront: "Die Juden haben sich Palästina genommen und betreiben dort Völkermord, das bringt eine gemeinsame Front der Deutschen und Palästinenser zustande." Bei der NPD-Demonstration am 26. November 2000 schwenkten einige Teilnehmer genauso begeistert die palästinensische Flagge, wie es jahrelang deutsche Antizionisten vorgemacht hatten; in Gaza-City und in anderen palästinensischen Autonomiestädten trugen in den vergangenen Monaten wiederholt palästinensische Demonstranten Hakenkreuzfahnen vor sich her. [111]

Derweil geben linke Nahost-Experten wie der PDS-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke unverdrossen die Parole aus: "Erst der Palästinenserstaat wird auch Israel Sicherheit geben." [112] Um sich ihr Weltbild von den aufrechten palästinensischen Freiheitskämpfern bewahren zu können, üben sich nicht wenige Linke derart beharrlich in Faktenleugnung, dass ihnen zu kritischen Analysen kaum anderes einfällt als gegen "die anhaltende Verbreitung von Lügengeschichten über den Hass der Völker in der Region" anzuschreiben. Einige Leser der längst vom Antizionismus abgekehrten KONKRET ergehen sich heute in Spekulationen über eine vermeintliche Alimentierung der Zeitschrift "von jüdischer Seite". Verschwörungstheoretisch die angebliche "Wahrheit über die Hintergründe des Zionismus" aufzudecken, ist da allemal vertrauter. [113] Die aggressiv anti- israelische Massenkundgebung fanatisierter Palästinenser und einiger ihrer deutschen Sympathisanten am Vorweihnachtstag 2000 wurde selbst in der liberalen Presse auffällig harmlos notiert: "Stressfreier Weihnachtsbummel auf den letzten Drücker. Palästinenser-Demonstration in der Innenstadt verlief ohne Zwischenfälle." [114]

Die Träume vom fortschreitenden Friedensprozess, den deutsche, europäische und auch israelische Linke geträumt haben, sind in den Gewaltexzessen der vergangenen Monate zerplatzt. Man wird sich - allen multikulturellen Hoffnungen zum Trotz - an die bittere Wahrheit gewöhnen müssen, dass der Hass der arabischen Massen auf Zionismus und die Juden noch immer grenzenlos ist. Es ist eine Tatsache, dass immer dann, wenn die israelische Linke an der Regierung gewesen ist, das Leben von Israelis besonders bedroht war. So unappetitlich die Politik des Likud von außen erscheinen mochte: Der Terror hielt sich in den Zeiten, in denen die Rechte regierte, in Grenzen, obwohl auch der Likud sich am Friedensprozess beteiligte - in den siebziger Jahren wurden territoriale Konzessionen durch Menahem Begin eingeleitet (Sinai- Rückzug) und in den Neunzigern durch Benjamin Netanjahu fortgesetzt (Rückzug aus Hebron usw.). Je mehr die israelische Linke sich dem Frieden verschrieb, um so mehr blieb die Sicherheit der israelischen Bevölkerung auf der Strecke - das ist die erfahrungssatte Feststellung des durchschnittlichen Israeli, die im Februar 2001 den erdrutschartigen Wahlsieg von Ariel Sharon möglich gemacht hat. Vielleicht können die Palästinenser nur einen illusionslosen und selbstbewussten "Falken" wie Sharon als Verhandlungspartner ernst nehmen, der für einen erneuerten Friedensprozess eine breite gesellschaftliche Mehrheit hinter sich zu vereinigen wüsste. "Frieden muss eine solide Basis haben und über Generationen halten", war das Wahlkampfcredo des neuen Ministerpräsidenten. [115] Wenig beachtet von einer ressentimentgeladenen Journaille hat Sharon noch am Ende des Fastenmonats Ramadan eine Friedensbotschaft an Arafat gerichtet. Im Interview mit einer ultraorthodoxen israelischen Zeitung unterbreitete er bereits Ende 2000 ein Verhandlungsangebot für ein "langfristiges Interimssabkommen". die Übergabe von 42 Prozent des Westjordanlandes an die Palästinenser. [116] Dieses sicherheitspolitisch motivierte "Angebot", das wenig mehr als ein Waffenstillstandsabkommen zu sein verspricht, fällt auf dem Papier weit hinter den Stand der Verhandlungen zwischen Barak und Arafat zurück, doch sollten nicht nur die Nahost- Maximalisten, sondern auch deutsche Linke endlich begreifen: Weniger ist manchmal mehr.

Anmerkungen:

[1] DS, 18.9.1998, S. 5.

[2] Thomas Mann am 27.10.1945, in: ders., Tagebücher 1944- 1.4.1946, hrsg. von Inge Jens, Frankfurt/Main 1986, S. 269.

[3] Marion Grafin Dönhoff, Völkischer Ordensstaat Israel, in: "Zeit", Nr. 39, 23.9.1948, S. 1.

[4] Karl Thieme, Die Christen, die Juden und das Heil, in: "Frankfurter Hefte" ("FH"), Heft 2/1949, S. 113.

[5] Siehe Elisabeth Noelle und E.P. Neumann (Hrsg.): Jahrbuch der Oeffentlichen Meinung 1947-1955, Bd. 1, Allensbach 1956, 2. Aufl., S. 128

[6] N.N., Juden in Deutschland. Auswanderung oder Assimilation, in: "Tagesspiegel", 5.12.1945 - zitiert nach Fritz Stern, Im Anfang war Auschwitz. Antisemitismus und Pbilosemitismus im deutschen Nachkrieg (Schriftenreihe des Instituts für Deutsche Geschichte, Universität Tel Aviv), Gerlingen 1991, S. 83.

[7] Kurt Schumacher, Deutschland und Europa, in: Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der SPD vom 29. Juni bis 2. Juli 1947 in Nürnberg, Berlin/Bonn-Bad Godesberg 1976 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe: Hamburg 1948), S. 44 f. und 50 f.

[8] ders., Die Sozialdemokratie im Kampf für Freiheit und Sozialismus, in: Protokoll der Verhandlungen des Parteitages der SPD vom 11. bis 14. September 1948 in Düsseldorf, Berlin/Bonn- Bad Godesberg 1976 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe: Hamburg 1949), S. 33.

[9] Eugen Kogon, Juden und Nichtjuden in Deutschland, in: FH", 9/ 1949, S. 729.

[10] Vgl. Erich Lüth, Die Friedensbitte an Israel 1951. Eine Hamburger Initiative, Hamburg 1976, S. 15-21 und S. 112-141.

[11] Siehe DBT 1/165, 27.9.1951, a.a.O., S. 6698,

[12] Verhandlungen des Deutschen Bundestages, I. Wahlperiode, Stenographische Berichte, Bd. 1, 5. Sitzung (DBT, 1/254), Bonn, 18.3.1953, S. 12281.

[13] Das belegt die namentliche Abstimmung (vgl. DBT, 1/254, 18.3.1953, a.a.O., S. 12290 ff.

[14] Vgl. "Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland", 5.8.1949.

[15] Vgl. Erich Lüth, Reise ins Gelobte Land, Hamburg 1953, in ders., Ein Deutscher sieht Israel 1955, Hamburg 1955; Waldemar A. Berendsohn, Aufbauarbeit in Israel. Erlebnisse, Studien, Betrachtungen (Schriften gegen Diffamierung und Vorurteile, Bd. 4), Berlin-West, 1953,

[16] Siehe Rudolph Weckerling, Studienreise in den Nahen Osten, in: "Junge Kirche". Protestantische Monatshefte, 7/1960, S. 411 f. Unbehagen über den aufkommenden Israel-Polittourismus regte sich - wenn überhaupt - nur an der linken Peripherie. Vgl. Ulrike M. Meinhof, Hitler in Euch, in: KONKRET, 20.5.1961, S. 8: "Eine Revision des Antisemitismus kann sich nicht in Studienfahrten nach Israel erschöpfen, ist als Prosemitismus nur eine halbe Antwort [...]. "

[17] Hans-Joachim Heydorn, Judentum und Antisemitismus, in: "Gewerkschaftliche Monatshefte", 671958, S. 364.

[18] Vgl. Julius Kaufmann, Israel im Kampf mit Sumpf und Wüste, in: "FH", 7/1955, S. 510-513; Walter Dirks, Vorwort zu: Ellan-J. Finbert, Pioniere der Hoffnung, Israel. Abenteuer und Wagnis, Düsseldorf 1957, S. 7-13; Helmut Gollwitzer, Zehn Jahre Israel. Deutsche und Juden heute, in: "Der Monat", 8/1958, S. 53.

[19] "[...] erregendstes Element (in Israel, M.K.) ist die Jugend; von den jungen Frauen und Männern Israels gilt vor allem dass sie Pioniere der Hoffnung sind (so Walter Dirks im Vorwort zu Elian-J. Finbert, Pioniere, a.a.O., S. 11); noch mehr ins Schwärmen geriet Gollwitzer (Zehn Jahre Israel, a.a.O., S. 55 ff.), indem er die "Verwandlung dieses Volkes in ein junges, ja das jüngste und jugendkräftigste Volk der heutigen Erde" bestaunte: -Der Jugend Israels gelten die Lobgesänge aller Reisenden: Kraft, Natürlichkeit, Schönheit, Frische, Sellbstbe- wusstsem rühmt man ihr nach - und das mit Recht [...]. Wo hat die Welt seit den letzten Kämpfen gegen die Römer wieder solche Juden gesehen!"

[20] Gollwitzer, Zehn Jahre Israel, a.a.O., S. 55.

[21] Vgl. Dirks, Vorwort zu Finbert, Pioniere, a.a.O., S. 11.

[22] "Zwischen israelischen Sozialisten und den älteren deutschen Sozialdemokraten waltet ein Verstehen, welches mehr ist als rationalistische Übereinstimmung. Es ist auch eine Verbindung der Gefühle" (so der israelische Gewerkschafter Dov Ben-Meir, in: Histadrut. Die isrselische Gewerkschaft, Bonn 1982, S. 143).

[23] Thomas Scheffler, Die Normalisierung der Doppelmoral: Vierzig Jahre deutsch-israelische Beziehungen, in: "Probleme des Klassenkampfs" ("Prokla"), Heft 73,12/1988, S. 76-96, hier S. 84.

[24] Karl-Hermann Flach, Der Rubikon ist überschritten, in: "Tribüne", Heft 15,1965, S. 1591.

[25] Peter Müller, Wozu überhaupt noch Deutsch-Israelische Studiengruppen? In: "Diskussion. Zeitschrift für Probleme der Gesellschaft und der deutsch-israelischen Beziehungen", Nr. 18, 2/1966, S, 6 ff.

[26] ebd., S. 8.

[27] So löste der erste PLO-Vorsitzende Achmed Shukeiri weltweit - nicht nur in Israel - beklemmende Erinnerungen an den nazistischen Vernichtungsantisemitismus aus, als er im Vorfeld des Sechstage Krieges die Drohung Ausstieß, "die Juden ins Meer zu treiben".

[28] Vgl. Martin Kloke, Israel und die deutsche Linke. Zur Geschichte eines schwierigen Verhältnisses. Mit einem Vorwort von Micha Brumlik (Schriftenreihe des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten, Band 20), Frankfurt/ Main: aktualisierte und erweiterte Neuauflage 1994, S. 106-110.

[29] Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Bd. 2, Frankfurt/Main 1959, S. 708.

[30] ders., in: Bloch u.a.: Frieden im Nahen Osten. Zum arabisch- israelischen Konflikt, Frankfurt/Main 1967, S. 18.

[31] ebd., S. 19 und 16.

[32] Wolfgang Abendroth am 5.6.1967 in einem Offenen Brief an den Frankfurter Erziehungswissenschaftler Berthold Simonsohn (Qülle: SDS-Nachlass im Archiv "APO und soziale Bewegungen" am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung an der FU Berlin).

[33] Der Konflikt im Nahen Osten. Dem SDS von der 22. Delegiertenkonferenz als Material über-wiesen, in: SDS- Bundesvorstand (Hrsg.), Die XXII. ordentliche Delegiertenkonferenz des SDS. Resolutionen und Beschlüsse, S. 49.

[34] Dass die jüdischen Einwanderer nicht selten aus "Mutterländern" stammten, in denen sie Pogromen und Liquidationen ausgesetzt waren, belegt die analytische Kurzschlüssigkeit einer Reduktion des Palästina/Israel-Konflikts auf seine koloniale Dimension. Nur am Rande sei vermerkt, dass billigerweise auch dem Kampf der jüdischen Siedler gegen die britischen Besatzungstruppen ein antiimperialistischer Impetus zugestanden werden muss.

[35] Vgl. die Artikel 6 und 20 des palästinensischen Nationalabkommens von 1968 (der Text ist dokumentiert in: Yehoshafat Harkabi, Palästina und Israel, Stuttgart 1974, 2. Aufl., S. 72-91).

[36] Einzelheiten bei Kloke, Israel und die deutsche Linke, a.a.O., S. 127 f.

[37] ebd., S. 124-132.

[38] Vgl. "J.P.", Manipulation in Israel, in: "Agit 883", Nr. 31, 12.9.1969, S.3.

[39] ""Nach Israel fahren wir erst, wenn es sozialistisch geworden ist"" (so Bundesvorstandsmitglied Hans-Jürgen Krahl, zitiert nach: "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"), 14./15.8.1969, S. 3).

[40] Vgl. SDS-INFO, Nr. 19, 8/1969, S. 3; siehe auch Rudolph Chimelli/Olaf Ihlau, Sommerlager studentischer Revolutionäre 111 Jordanien, in: "SZ", 14/15.8.1969, S. 3.

[41] "Teach in zum Besuch des israelischen Aussenministers Eban". Unterzeichner des Flugblatts: SDS, Generalunion Palästinensischer Studenten (GUPS), Israelisches Revolutionäres Aktionskomitee im Ausland (ISRACA/D), Trikont, Vereine der arabischen, iranischen und afghanischen Studenten, Frankfurt 18.2.1970 (vgl. SDS-Nachlass).

[42] "Al-thaura" (Bonn), Nr. 1, 1971, S. 4.

[43] Privatarchiv d. Verf.

[44] "Arbeiterkampf", Nr. 35, 1/1973.

[45] Text der Plattform in: Archiv "APO und soziale Bewegungen".

[46] Vgl. Harald Vocke, Die große Araberrazzia. Zu mangelnder deutscher Sachkenntnis kommt Nervosität und israelischer Druck, in: "FAZ", 29.9.1972, S. 2.

[47] Vgl. Kurz Grönewold u.a. (Hrsg.): Politische Justiz. Dokumentation über den Ausweisungsterror an Palästinensern, Hamburg, November 1972; Trikont-Verlagskooperative (Hrsg.), Der neue Antisemitismus, Die Liquidierung von Ausländerorganisationen in der BRD.- Zum Verbot von GUPS und GUPA, München 1972.

[48] "SZ", 9.10.1972, S. 6.

[49] "Materialien zum antiimperialistischen Kampf", West-Berlin, 1/ 1973, S. 3 und 5 f.

[50] Beispielhaft das Flugblatt Kölner Maoisten von Mitte Oktober 1976 ("Was ist los im Libanon?"): "Die Aktionen der tapferen palästinensischen Partisanen haben sich auf sämtliche besetzte Territorien wie Jerusalem und Galiläa, Jaffa, Gaza, den Golan- Höhen und bis in die Höhle der Zionisten, Tel Aviv, erstreckt" (Archiv "APO und soziale Bewegungen"); viele andere Belege in: Kloke, Israel und die deutsche Linke, a.a.O., S. 138-152.

[51] Vgl. das Protokoll des Treffens vom 19.11.1977 (ISPA-Archiv Bonn).

[52] Plattform der Nahost- und Palästinakomitees in der BRD und Westberlin, in: "Nahost-Zeitung", hrsg. vom Nahostkomitee Hamburg, Nr. 1, 2/1978, S. 7.

[53] N.N., Emanzipatorische Bewegung der Palästinenser, in: "Agit 883", Nr. 29, 28.8.1969, S. 8.

[54] N.N., Alle politische Macht kommt aus den Gewehrläufen, in: "Agit 883", Nr. 59, 7.5.1970, S. 9.

[55] So das "Kommando Michele Pirk" in einem Artikel gegen den BfGBankier Walter Hesselbach, in: "Agit 883", Nr. 59, a.a.O., S. 4.

[56] Schwarze Ratten TW, Schalom + Napalm, in: "Agit 883", Nr. 40, 13.11.1969, S. 9.

[57] Vgl. die "Erklärung zum Bombenattentat auf das jüdische Gemeindehaus in Berlin" des Frankfurter Palästinakomitees, in der den Tätern vorgehalten wurde, einer fatalen "Identifizierung jüdischer Institutionen (außerhalb Israels, M.K.) mit zionistischen Basen" Vorschub geleistet zu haben (SDS-Info, Nr. 25, 1.12.1969, S. 29 f.).

[58] Michael "Bommi" Baumann, Wie alles anfing, Duisburg 1989, 3. Aufl., S. 75.

[59] Einzelheiten bei Stefan Aust, Der Baader/Meinholf-Komplex, Hamburg 1986, 3. Aufl., S. 103-116.

[60] Vgl. Kloke, Israel und die deutsche Linke, a.a.O., S. 168.

[61] Vgl. Editorial, Solidarität am Wendepunkt, in: Orient- Express. Informationsdienst der Orient-(Nahost-Mittelost)- Kommission der Liga gegen den Imperialismus, Nr. 3, 12/1979-1/ 1980, S. 1 .

[62] Peter Tautfest, Palästina-Solidarität nach Indochina, Holocaust und Camp David, in: "Befreiung". Zeitschrift für Politik und Wissenschaft, Nr. 17/18, Frühjahr 1980, S. 113; siehe auch "Kursbuch" 57, Der Mythos des Internationalismus, West-Berlin, 1979; weitere Einzelheiten bei Kloke, Israel und die deutsche Linke, a.a.O., S. 157 f. und 169 f.

[63] Vgl. Kloke, a.a.O., S. 220-229.

[64] Wolfgang Pohrt, Entlastung für Auschwitz. Palästina, Israel und die Deutschen, in: "Taz", 28.6.1982, S. 7.

[65] Joschka Fischer, Israel - Ein Alptraum der deutschen Linken, in: "Pflasterstrand" (Sondernummer Palästina), 9/1982, S. 50.

[66] Vgl. "Spiegel", Nr. 46,14.11.1983, S. 136-139 (Nahost: Arafats Endkampf in Tripoli) und Nr. 47, 21.11.1983, S. 141 f. (Libanon. Stunde der Vergeltung).

[67] Vgl. beispielhaft folgende "Taz"-Artikel: 28.5.1985, S. 1 f. (Berichte von Massakern aus Beirut. Keine Hilfe für Palästinenser); 29.5.1985, S. 4 (Libanesisches Roulette); 3.6 . 1985, S. 6 (Das Lager Sabra ist ein Trümmerhaufen); 7.6.1985, S. 3 (Tagesthema: Der Krieg gegen die Palästinenser in Beirut).

[68] ebd., 7.6.1985, S. 3.

[69] Beate Seel, Wo bleibt der Aufschrei? Beredtes Schweigen zum Lagerkrieg im Libanon, in: "Taz", 10.2.1987, S. 4.

[70] Vgl. Martin Kloke, Kathartische Zerreißproben: Zur Israel- Diskussion in der Partei "Die Grünen", in: Herbert A. Strauß u.a. (Hrsg.): Der Antisemitismus der Gegenwart, Frankfurt/Main 1990, S. 124-148.

[71] Vgl. Kloke, Israel und die deutsche Linke, a.a.O., S. 207- 219.

[72] ebd., S. 243-246.

[73] ebd., S. 313 f.

[74] "Ich will reden von der Angst meines Herzens" - so der symptomatische Titel einer Luchterhand-Flugschrift, deren Beiträge in der Zeit von Ende Januar bis Mitte Februar 1991 entstanden sind (Autorinnen und Autoren zum Golfkrieg, Frankfurt/ Main 1991).

[75] "Jerusalem Post", 19.2.1991; siehe auch "SZ", 19.2.1991, S. 5.

[76] "Mensch Biermann, das mit dem bedrohten Israel, das bringt politisch dein familiär ererbtes Lymphsystem auf solche Touren, dass DU zum Friedenskriegerhetzer verkrampfen MUSST" (Elmar Klink in: Mensch, Biermann, du Kommunist. Abgesang auf einen linken Sänger, in: "Grasw-urzelrevolution", Nr. 154,3/1991, S. 2).

[77] Vgl. die Rundschreiben der Grünen-Politiker/in Manon Tuckfeld und Jens Christian Müller ("Welt-kriegs-ordnung", 13.2.1991, in: Privatarchiv d. Verf.).

[78] So der Arbeitskreis antiimperialistische Solidarität Heidelberg u.a. Gruppen in einem überregionalen Demonstrationsaufruf vom 26.1.1991 ("Stoppt den Massenmord an den Völkern im Irak").

[79] Bund gegen Anpassung: Dieser Krieg ist überflüssig wie ein Scheich (Flugschrift vom 23.1.1991).

[80] Fatima Mernissi, In der Nacht vorn 16. bin ich gestorben, in: "Emma"-Sonderband Krieg: Was Männerwahn anrichtet, und wie Frauen Widerstand leisten, Februar 1991, S. 14.

[81] Vgl. KONKRET, 10/1991, S. 4.

[82] So in der "Taz", 14.9.1993, S. 10.

[83] "Berliner Zeitung", 20.5.1995, S. 6.

[84] Vgl. Martin Kloke/Micha Brumlik, Ein abgeschlossenes Kapitel? Die bundesdeutsche Linke und der Staat Israel. Anmerkungen zu einem gestörten Verhältnis, in: KONKRET, 5/1998, S. 18-21.

[85] Vgl. "Berliner Zeitung", 9.10.2000, S. 1. Zum Vergleich: Noch nie in der Geschichte des Nahostkonflikts hat die Uno eine Resolution verabschiedet, in der Terrorangriffe auf Israel bzw. auf jüdische Einrichtungen verurteilt wurden.

[86] "Wenn an neun aufeinander folgenden Abenden bewaffnete Männer das Feuer von einem friedlichen Wohngebiet auf ein anderes friedliches Wohngebiet eröffnen und nach einer Woche die Streitkräfte der Angegriffenen beginnen, mit schwereren Waffen Vergeltung zu üben, so ist dies immer noch eine Reaktion und keine Aggression" (Yaacov Lozowick, Reflexionen der Realität, in: "Kommune", Dez. 20O0, S. 7).

[87] Vgl. Jürgen Elsässer, Der Mörder ist immer der Jude. Die deutsche Berichterstattung über die Unruhen in Nahost transportiert Ressentiments, in: "Allgemeine jüdische Wochenzeitung", 23.11.200O, S. 3. Einschlägig ist auch der Untersuchungsbericht über den angeblichen "Mord" israelischer Soldaten am 12jährigen Mohammed al-Dura, der eine vorurteilsgeladene Oeffentlichkeit Lügen strafen sollte (vgl. "zu Protokoll", in: KONKRET, 1/2001, S. 35).

[88] Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament", Nr. 49,1.12.2000.

[89] Anmerkungen des Muftis von Jerusalem in einem Interview mit der ägyptischen Wochenzeitung "Al-Ahram Al-Arabi" (www.worldnet- daily.com/bluesky kupelian news/20001204 xndku who real).

[90] "Das Abkommen mit Israel ist nicht mehr als das Abkommen zwischen Muhammed und den Beni Qureisch." Ausschnitte aus der Rede Arafats in Johannesburg, in: "Israel & Palästina". Zeitschrift für Dialog, Nr. 3, Juli 1994, S. 22 ff. (nach "Ha'aretz", 23.5.1994).

[91] Nadav Schragaj, Aufbruch zum Hass, in: "Israel & Palästina", Nr. 1, 1998, S. 23 ff.; Horst Pankow, "Kindermörder". Noch einmal über Antisemitismus, Zionismus, Deutsche und Palästinenser, in: "Bahamas", Nr. 33, Herbst 2000, S. 5-9.

[92] Ludwig Watzal: In Rufweite der Apokalypse, "Freitag", Nr. 42, 13.10.2000.

[93] Birgit Cerha: Sie haben eine Traum, in: "Tagesspiegel", 5.1.2001, S. 7.

[94] So geschehen am 23.12.2000 auf dem Adenauerplatz. Ein entsprechendes Graffiti war bereits im Oktober auf eine Mauer neben die geschändete Kreuzberger Synagoge geschmiert worden (vgl. auch Anton Graf, Tage des Zorns. Die Linke und der Antisemitismus, in: "jungle World", 11.10.2000).

[95] N.N., Linkswende, in: "Illustrierte Neue Welt",. Oktober/ November 2000, S. 37.

[96] Noch immer schreiben in den genannten Zeitungen Journalisten wie Hans Lebrecht, die schon zu DDR-Zeiten die staatlich verordnete Israelfeindschaft mit antizionistischen Tiraden fütterten.

[97] Olaf Standke, Kriegszustand, in: "ND", 23.11.2000, S. 1

[98] Michael Gatter, Palästina. Solidarität mit der neuen Intifada!, in: "Arbeitermacht", Nr. 59, November/Dezember 2000, S. 17 f.

[99] "JW", 25./26.11.2000, S. 8

[100] Vgl. Stefan Schrör, Dies Land ist mein Land. Theater unter Okkupation, in: "Freitag", Nr. 36, 1.9.2000.

[101] DIAK-Erklärung vom 8.10.2000 (www.diak.org).

[102] So im Gespräch mit Grünen-nahen "Israel-Experten" am 9. Oktober 2000 in Berlin.

[103] Vgl. Martin Krauss, Stimmen aus einem echt freien Land, in: KONKRET, 12/2000, S. 22.

[104] Vgl. beispielhaft Yaacov Lozowick, Reflexionen der Realität, in: "Kommune", Dezember 2000, S. 7-13.

[105] So etwa in der Bundestagsdebatte über die Lage in Israel und Palästina am 26. Oktober 2000 (Protokoll im Internet).

[106] Privatarchiv d. Verf.

[107] Vgl. Karin Schüttpelz, "Noch nie ging Israels Armee so brutal gegen die Bevölkerung vor". Eindrücke einer Beobachtergruppe der Linksfraktion des Europaparlaments, in: "ND", 9./10.12.2000, S. 3.

[108] Horst Pankow: "Kindermörder", a.a.O., S. 7; siehe auch "Bahamas", Nr. 20, Sommer 1996: Schwerpunkt: Elemente des Antisemitismus.

[109] Christina Förch, Steine und die Wut zu leben. Mit der Intifada erwachen viele palästinensische Jugendliche aus Apathie und Resignation, in: "Freitag", 20.10.2000; vgl. auch Karl Selent, Von der Hisbollah lernen. Linke unterstützen den Djihad gegen Israel, in: KONKRET, 8/2000, S. 32.

[110] Juliane Wetzel, Internet: Die europäische Rechte und der arabische Antizionismus, in: Die Entstehung von Feindbildern im Konflikt um Palästina. Internationale Konferenz veranstaltet vom Zentrum für Antisemitisinusforschung der TU Berlin, 6.-8. September 2000.

[111] Vgl. entsprechendes Gedankengut auf Mahlers Website; siehe auch Eberhard Seidel, Gesichter des Antisemitismus, in: "Taz", 9.12.2000 sowie diverse Internet- und Fernsehberichte.

[112] So in der Nahostdebatte des Bundestages vom 26.10.2000, a.a.0.

[113] Siehe Rüdiger Göbels Rezension zu Jürgen Elsässers Buch "Kriegsverbrechen", in: "JW", 21.10.2000 "Von Juden bezahlt?", in: KONKRET, Nr. 1, Januar 2001, S. 6.

[114] So die entsprechende Überschrift im Berliner "Tagesspiegel", 25.12.2000, S. 10.

[115] Zitiert nach "NAI" (Jerusalem), Januar 2001, S. 15.

[116] "Scharon: Osloer Friedensabkommen ist tot", in: "Tagesspiegel", 11.1.2001, S. 6; vgl. auch die Ausgabe vorn 19.1.2001, S. 7.

Quelle: Geklaut vom trend-Onlinemagazin,
zuerst erschienen in der Newsgroup de.soc.politik.texte - gepostet von: K.Fischer@odessa.bonbit.org  (Kai Fischer) am 19.12.2001

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